Guter-Samariter-Gesetz
First Aid & CPR Spain
Der barmherzige Samariter: Mitgefühl und Schutz
Die aus der Bibel (Lukas 10,25-37) stammende Parabel vom barmherzigen Samariter erzählt, wie ein halbtot zurückgelassener Reisender von einem Fremden gerettet wird, der ihn versorgt und für ihn sorgt. Über ihren religiösen Kontext hinaus trägt sie eine universelle Botschaft: die moralische Pflicht, anderen in Gefahr aus Mitgefühl und Selbstlosigkeit zu helfen.
Von diesem Grundsatz inspiriert, wurden weltweit zahlreiche Gesetze des barmherzigen Samariters erlassen, die jene vor rechtlicher Verfolgung schützen, die in einem Notfall in gutem Glauben Hilfe leisten. Der genaue Umfang dieses Schutzes ist jedoch von Rechtsordnung zu Rechtsordnung unterschiedlich: Nachfolgend finden Sie, was das für Ihre Region geltende Recht vorsieht.
Ihr Schutz nach dem Gesetz
In Spanien duldet das Gesetz den gutgläubigen Helfer nicht bloß: Es rechnet mit ihm. Das Strafgesetzbuch (Art. 195-196, Ley Orgánica 10/1995) bestraft die omisión del deber de socorro, also das Unterlassen der Hilfe für eine wehrlose Person in offensichtlicher und ernster Gefahr, obwohl man ohne Risiko helfen könnte. Für den freiwilligen Helfer gibt es keinen gesonderten Haftungsschutz; sein Schutz ergibt sich aus dem rechtfertigenden Notstand und dieser gesetzlichen Handlungspflicht — Hilfe zu leisten ist somit nie ein Fehler, sondern die Erfüllung einer Pflicht.
Hilfeleistungspflicht
In Spanien ist Helfen nicht freiwillig: Das Gesetz fordert Sie zum Handeln auf. Art. 195 macht Untätigkeit zu einer Straftat, die mit einer Geldstrafe von 3 bis 12 Monaten geahndet wird — und auf 6 Monate bis 2 Jahre Freiheitsstrafe steigt, wenn der Unfall von demjenigen verursacht wurde, der die Hilfe unterließ — und Art. 196 verschärft die Strafe für Angehörige der Gesundheitsberufe zusätzlich. Sich ausbilden zu lassen bedeutet schlicht, sich die Mittel zu verschaffen, dieser Pflicht ruhig und kompetent nachzukommen, statt von ihr überrascht zu werden.
Warum Ausbildung unerlässlich ist
Das spanische Gesetz fordert Sie zum Handeln auf; eine Ausbildung stellt sicher, dass Sie es auch wirklich können. Bei einem Herzstillstand senkt jede Minute ohne Wiederbelebung die Überlebenschance um rund 10 %, und der Rettungsdienst braucht selten weniger als einige Minuten: In dieser Zeitspanne ist der Ersthelfer das erste Glied der Rettungskette. Die lebensrettenden Handgriffe zu erlernen verwandelt eine gesetzliche Pflicht in eine konkrete Macht — die Macht, für einen Angehörigen, eine Kollegin oder einen Fremden den Unterschied zwischen Leben und Tod auszumachen. Lassen Sie sich ausbilden und seien Sie bereit an dem Tag, an dem jemand auf Sie zählt.